Phantastische Trails

Es gibt kurze Wanderwege für Tagestouren, Wege mit vielen Höhenmetern, Wege mit vielen Kurven, schnurgerade Wege, verrückte Wege, es gibt sogar Wege die sind eigentlich gar nicht da (man navigiert komplett offroad) und es gibt Wege, die so lang sind, dass man Monate oder Jahre braucht um sie komplett zu laufen!

Und die Leute, die auf diesen Wegen rumlaufen – mit der Absicht diese von Anfang bis zum Ende zu bewältigen – die nennt man Thruhiker…

… und ich bin eine von denen! 

Das Wort kommt aus der englischen Sprache und setzt sich aus „through“ (korrekte Schreibweise für „durch“) bzw „thru“ (umgangssprachlich) und „hiken“ („wandern“) zusammen.

Ein Thruhiker ist also einfach ein „Durchläufer“.

Thruhiker sind eine eigene Gemeinschaft und wer einmal dabei ist, hat nicht nur einen Trail-Namen (welcher einem selbstverständlich irgendwann gegeben wird und auf den man auf kuriose Arten getauft wird), sondern Weggefährten und Freunde, mit denen man gemeinsam läuft und auf die man immer wieder, im Laufe der Reise, trifft. 

Thruhiker sind die Koryphäen, die an Tankstellen und Rastplätzen angewidert oder fasziniert angestarrt werden. Manche bewundern sie, die meisten finden sie verrückt.

 

Warum machen Leute das?

Im Prinzip geht es gar nicht so sehr darum unbedingt einen bestimmten Weg zu laufen, sondern es geht darum so lange wie möglich draußen bleiben zu können und eine schöne Zeit zu haben. Der Weg ist nur die Verpackung, damit der Rest der Welt nicht denkt, wir wären irgendwelche Penner, sondern beschäftigen uns sinnvoll. Draußen – Das ist da, wo das Haus aufhört und wo wir alle mal gelebt haben!

Jeder halbwegs normale und gesunde Mensch ist in der Lage, draußen zu leben und sich mit der Natur bzw. dem Lebensraum zu beschäftigen, aus dem er ursprünglich stammt. Ohne Straßen, ohne Heizungen, Mikrowellen oder Autos. Jeder Mensch ist in der Lage tausende Kilometer zu wandern – auch Du! Es liegt in unserer Natur.

Als ich zum ersten Mal eine mehrtägige Wanderung gemacht habe, war das, als würde mir einer mit einem Hammer auf den Kopf hauen. Ich habe zum ersten Mal gemerkt wie wenig man sich eigentlich bewegt und wie labberig und schwabbelig ich war. Es wurde mehrfach geheult, es wurden wütend Steine durch die Gegend geworfen, es wurde unfassbar viel gefressen – wirklich – von essen konnte man hier nicht mehr reden, und die letzten 2 Tage wurde mit einer einzigen Zwiebel überlebt. Die immerhin riesig war, trotzdem…

Nun habe ich mir für den Einstieg aber auch ein sehr undankbares Gelände ausgesucht, also im Nachhinein würde ich keinem empfehlen zuallererst dort anzufangen…

Jedenfalls habe ich in diesen 9 Tagen begriffen, was unser Körper eigentlich kann und wofür das gut ist. Wir sollten uns viel mehr bewegen, anstatt auf unseren Sofas zu hocken. Wenn wir das tun, stellen wir fest, dass wir das, was wir „Hunger haben“ nennen, lächerlich ist und Essen wird auf einmal so viel schöner, wenn wir RICHTIG Hunger haben. Man merkt auf einmal, wenn man draußen schläft, dass es nicht nötig ist bis 10 Uhr zu schlafen. Man ist um 7 schon wach und fühlt sich gut. 

Übrigens geht man auch viel seltener auf die Toilette, wenn man solche Touren macht, der Körper verbrennt wirklich alles was er gebrauchen kann, aber ok das reicht jetzt…

Was ich damit sagen will: Es gibt nichts gesünderes, als das zu machen, wozu unsere Körper einmal konzipiert wurden. Auch seelisch betrachtet. Wenn wir alle mehr draußen herum laufen würden, gäbe es weniger Verrückte auf der Welt, weniger traurige Menschen. Mehr glücklichere Menschen.

Glücklich machen uns nicht die Dinge die wir Zuhause haben, sondern richtiges Glück kommt von innen, aus Dir selbst heraus. 

Und wenn man nur mit sich selbst ist und sonst nichts hat, kann man wortwörtlich am eigenem Leib erfahren wie glücklich man sein kann. Wie glücklich DU sein kannst! Wie sehr man sich selbst jeden Tag im Weg steht.

Und genau das gibt es draußen jeden Tag. Du kannst dir nicht vorstellen wie sehr man ausrasten kann wegen eines Schokoriegels… oder eine Dusche. Zuhause find ich duschen langweilig. draußen ist es das beste was es gibt, man träumt andauernd von Duschen!

Es geht auch nicht darum am Ende in Kanada anzukommen oder sagen zu können: “Wow ich bin einmal durch die komplette USA gelaufen!“

Es geht darum eine unfassbar schöne Zeit auf dem Trail zu haben und über sich und den ganzen Bullshit den wir als bahnbrechende Technologien betrachten, hinaus zu wachsen und festzustellen dass wir den ganzen Mist nicht brauchen, um glücklich zu sein.

Dafür brauchen wir nur uns selbst!

Continental Divide Trail

Hier gehts zum Continental Davide Trail (CDT). Vorbereitungen, die Route und was es neues gibt auf dem Trail? Hier gehts zum Blog!

Pacific Crest Trail

Hier gibt es ein paar Infos zum Pacific Crest Trail (PCT) und einen Gastbeitrag von Catweazle, der den PCT 2017 gelaufen ist!