Petra – die Wiege der Menschheit

28. February 2019 0 By The Hikergirl

Durch das umgehen des Gebirges, komme ich schnell voran und so erreiche ich Petra sehr früh. Petra hat viele Eingänge und man muss eine Passkontrolle durchlaufen. Wieder ebnet mir der Jordan Pass den Weg und ich kann einfach passieren. Praktisches Teil! Kann ich nur jedem empfehlen. Hier bin ich auch in dem Hauptteil von der antiken Stadt angekommen. Die neuesten Ausgrabungen führen auf eine Kultur so um die 300 Jahre v. Chr. zurück – es gibt aber auch deutlich ältere Teile der Stadt! Insgesamt hat Petra mehr als 4000 Jahre auf dem Buckel, ist damit die zweitälteste gefundene Zivilisation der Welt und das Gelände ist riesig! Betreten habe ich die Stadt vor 2 Tagen von der Rückseite, aus dem Gebirge. Heute geht es für mich durch die östlichen Stadtteile ins Zentrum. Da Petra Weltkulturerbe ist, laufen hier ne Menge anderer Touristen herum – von denen man im nördlichen Teil der Stadt, den ich ja bereits gesehen habe, aber nichts zu sehen bekommt. 

Als ich den populären Part der Stadt erkunde, weiß ich auch weshalb: 

Der steile Aufstieg, der für mich vor ein paar Tagen ein Abstieg war, schreckt viele ab. Reichlich blöde, weil wer die wirklichen Ausmaße der Stadt verstehen möchte, sollte sich das ansehen. Der gesamte Wanderweg aus den Bergen bis hierher ist mit Gebäuden und Hunderten – leider wie schon erwähnt, verlassenen Höhlen der Nabatäer gesäumt. Ich finde das so schade. Kultur und Geschichte bekommt etwas abstraktes, wenn sie nicht mehr gelebt wird. Das Museumsfeeling überkommt einen und ich fände es viel schöner, wenn Petra auch heute noch bewohnt wäre und die tausende Jahre alten Traditionen von den Einwohnern selbst näher gebracht werden könnten.

Teilweise sieht man Höhlen, in denen doch jemand lebt. Ob die Leute geduldet werden, ihre Höhlen ab und zu wechseln, räumen müssen oder sonst etwas, weiß ich leider nicht – erlaubt ist es aber nicht. 

Was ziemlich witzig ist: in der Mitte auf dem früheren alten Marktplatz ist auch heute noch ein Markt. An einem Kiosk gibt es Wlan und warum auch immer, deckt dieser Kiosk das gesamte gigantische Areal der Stadt ab. Was dieser Kiosk noch kann – dazu komm ich später. 😂

Zum Mittag hin wird es immer windiger und der Himmel färbt sich orange. Ich hab mich damit nicht auseinander gesetzt, schlussfolgere aber auf einen Sandsturm und laufe zum Haupteingang (was insgesamt 45 Minuten dauerte 😂).

Ich überlege schon, wo ich nun hingehe um den Sturm auszusitzen und wundere mich total als ich am Ausgang Nawwaf sehe. Das ist der Typ dem ich vor 2 Tagen bei seinem Computer geholfen habe!
„Ich hab mir gedacht, dass du hier raus kommst, schnell ab ins Auto – das wird gleich echt ungemütlich hier!“ völlig verblüfft darüber, steig ich ein und wir fahren zu seiner Familie, die auf einem Hof am Rande des Gebirges wohnt – wo das Essen schon auf uns wartet. Die ganze Zeit stelle ich mir die Frage, wie lange er da gewartet hat und wie er darauf kommt, dass ich genau heute dort ankam und dann auch noch diesen Ausgang wähle… 

Fazit zu Petra: Beeindruckend und wirklich etwas, was man sich ansehen sollte, wenn man auf Kultur steht. Nachhaltig und zu etwas Besonderem wird diese Stadt aber durch die Menschen, die dort leben und dir ihr Leben auf eine sehr freundliche und eindrückliche Art und Weise zeigen.

Da es nach dem Sturm immer noch nach Schnee, Regen und miesem Wetter aussieht, schlägt Nawwaf mir vor, meinen Weg wieder anders zu gestalten. Erst bin ich weniger begeistert, weil dann ja mein schöner Tagesetappen-Plan hinfällig ist, aber was die Sicherheit angeht, so hat er Recht. 

...ein paar Impressionen...

Freundlich wie er ist, fährt er mich wieder aus dem Gebirge raus und ich befinde mich in ungefähr derselben Gegend, aus der ich morgens, nach Petra rein kam. Ich kann am Rande des Gebirges durch die Wüste weiter laufen und mich spontan immer umentscheiden, wenn ich doch auf die ursprüngliche Route möchte – was ich ziemlich praktisch finde. 

Ich laufe also durch den späten Nachmittag – auf der Suche nach dem perfekten Zeltplatz.

Und komme an einer Gruppe Männer vorbei die freundlich grüßen.
„Do you want to sit with us and do the ehhh… Hubblibi Bubblibi?!“
“Bitte was?!”, ich lache laut auf und frag nach, was Hubblibi Bubblibi den sein soll. Wortlos zeigt einer auf eine Shisha in die Ecke und ich bekomm erstmal einen totalen Lachanfall und frag unter Tränen vor lachen:„aaahh… to smoke Shisha?!“ alle drei lachen erleichtert und nicken eifrig: „Yalla Shisha!!“

“Warum nicht?” Denke ich mir und setze mich dazu. Die drei haben eine Menge Zeug zu Lachen, sind unfassbar witzig und nachdem ich ungefähr drei Mal an der Shisha gezogen habe, merk ich auch wieso. Etwas benebelt frage ich “Sag mal, was raucht ihr denn da?” “Haschiiisch, Haschiiisch!!” rufen sie begeistert und ich stütz mein Gesicht – mit einem leicht verzweifeltem Lachen – in meine Handfläche. Alles klar. Der Konsum von Haschisch/Mariuhana wird in Jordanien hart bestraft. Man wandert auf jeden Fall erstmal ins Gefängnis! Dennoch ist es so verbreitet, zu kiffen – wirklich an jeder Ecke wird gekifft oder das Zeug sonst wie konsumiert.

Als ich gehen möchte, werde ich noch mit lauter verschiedener Süßigkeiten eingedeckt und mit bester Laune in die Wüste entlassen. Ich muss mir sehr das Lachen verkneifen, die Drei waren wirklich lustig. 

Ich laufe ein bisschen, um eine windgeschütze Ecke zu finden und bau mein Zelt wieder im Sand auf. In der Umgebung liegt einiges an vertrocknetem Holz herum: perfekt für ein kleines Lagerfeuer.

Hier werden wir nun auch Zeuge eines paranormalen Phänomens: ich hab Wlan. 😂 das kann auch nur von Petra kommen. Zumindest ist es vom Namen her dasselbe… Ich habe keine Ahnung wie das geht – aber es geht!
Da soll mir mal einer einen besseren Kiosk zeigen! 😂

Ich sitz noch lange mit meiner Tasse Tee an meinem kleinem Feuer, schaue in den Himmel, wo wirklich Milliarden Sterne zu sehen sind und träume vor mich hin. Die Milchstraße erkenne ich mit bloßem Auge, regelmäßig ziehen Sternschnuppen vorbei und auch wenn es mich einerseits glücklich macht, das so zu sehen, so stimmt es mich auch traurig. Denn SO gehört ein Himmel. So sollte das aussehen. nicht völlig versmoked und trüb, wie bei uns…